“Es gehört zum Allgemeinwissen von Architekten und Ingenieuren, die Grundlagen des Brandschutzes zu verstehen.”

September 2018: Die Ausbildung zum Fachplaner für vorbeugenden Brandschutz ist inzwischen fester Bestandteil der hhpberlinU. Im Interview machen die Referenten Karsten Foth, Ansgar Gietmann, Matthias Thiemann und Martin Steinert deutlich, warum es für Architekten und Ingenieure so wichtig ist, sich mit den Grundlagen des Brandschutzes auseinanderzusetzen. Und warum dieses Wissen praxisnah und in kleinen Gruppen vermittelt werden sollte.

 Karsten Foth                      Ansgar Gietmann             Matthias Thiemann          Martin Steinert

Nancy Langnickel: Was ist das Ziel der Fachplaner-Ausbildung an der hhpberlinU?

Martin Steinert: Das erklärte Ziel ist es, die Fähigkeit zu erwerben, eigene Brandschutznachweise zu erstellen. Es geht darum, Brandschutz zu verstehen. Zu verstehen, an welchen Stellen Abweichungen möglich sind, was man Bauherren in Aussicht stellen kann und was nicht, die Grenzen zu erkennen wie weit man das Bauordnungsrecht überschreiten kann oder auch nicht.

Ansgar Gietmann: Leider erfahren Architekten und Ingenieure in ihrem Studium so gut wie gar nichts über Brandschutz, oder es gibt, wenn Sie Glück haben, ein freiwilliges Fach. Da das Thema also keine Pflicht ist, sind sie im Berufsalltag häufig mit den auftretenden Fragen überfordert. Das zeigt sich dann in der Planung, in der wir als Brandschutzsachverständige und Fachplaner häufig in Diskussion geraten, die aus meiner Sicht vermeidbar wären, wenn das Verständnis und die Kenntnisse für den Brandschutz existieren würden.

Nancy Langnickel: An wen richtet sich die Ausbildung?

Ansgar Gietmann: Ich empfehle sie all denjenigen, die sich mit dem Bauen beschäftigen, also vor allem Architekten und Bauingenieuren. Meiner Meinung nach gehört es zum Allgemeinwissen eines jeden Architekten und Ingenieurs, sich zumindest mit den Grundlagen des Brandschutzes auseinanderzusetzen, denn der Brandschutz macht mehr als die Hälfte der Bauordnung aus, möchte ich mal vorsichtig behaupten. Brandschutz wirkt in alle Thematiken am Bau herein und von daher glaube ich, dass es eine Pflicht sein müsste, grundlegende Kenntnisse über diesen Bereich zu haben.

Matthias Thiemann: Oft ist es so, dass Anforderungen aus dem Brandschutz in der Planung als Belastung und Zusatzanforderung verstanden werden. Das hat auch damit zu tun, dass in der Bauordnung oft wenig plausibel ist, wo Anforderung herkommen und wie sie sich begründen lassen. Die Ausbildung systematisiert das erworbene Fachwissen mit Rückgriff auf die Gesetzeslage in Deutschland und ordnet es in die Prozesse ein, die beim Planen und Bauen ablaufen. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Personen, die einordnen können, warum welche Prozesse zu welchen Zeitpunkten ablaufen, ihr Fachwissen besser anwenden können, weil sie auf Situationen spezifisch eingehen können.

Nancy Langnickel: Was macht die Fachplaner-Ausbildung an der hhpberlinU so einzigartig?

Karsten Foth: Der wesentliche Vorteil der Fachplaner-Ausbildung bei hhpberlin ist es, dass sie stark praxisorientiert ist. Die Teilnehmer bekommen Wissen von Experten, die tagtäglich Brandschutznachweise schreiben oder ihren Schwerpunkt im Bereich der Ingenieurmethoden haben. Die Referenten können also immer aktuelle und für sie relevante Beispiele einflechten. Darüber hinaus haben wir einen guten Anteil an Workshop-Aufgaben, wie zum Beispiel die Planspiele. Dabei sitzen die Teilnehmer einer fiktiven Bauaufsicht, einem fiktiven Bauherrn oder einer fiktiven Feuerwehr gegenüber, um ihr Konzept zu erläutern, zu erklären und vielleicht auch zu verteidigen oder zu diskutieren.

Matthias Thiemann: Neben den Workshops gibt es auch Exkursionen, die in gebauten Objekten erlebbar machen, was baulicher und anlagentechnischer Brandschutz bedeutet. Und die Teilnehmer haben die Möglichkeit ein Feuerlöschtraining zu absolvieren. Dass das theoretische Wissen über die gesamte Ausbildung hinweg anwendbar gemacht wird, halte ich für eine große Besonderheit und das macht mir in der Vermittlung auch viel Spaß.

Nancy Langnickel: Sind die Gruppen bewusst so klein gehalten?

Martin Steinert: Ja, wir haben eine Obergrenze von 20 Teilnehmern, um auf Rückfragen unmittelbar eingehen zu können. Es ist eben nicht nur der reine Frontalunterricht, sondern wir interagieren mit den Teilnehmern. Das funktioniert bei größeren Gruppen denke ich nicht mehr ausreichend.

Nancy Langnickel: Warum ist die Ausbildung so wichtig für Architekten und Ingenieure?

Ansgar Gietmann: Der Brandschutz wird leider oft stiefmütterlich behandelt. Am Ende der Planungen stellen die Verantwortlichen dann plötzlich fest, dass an Grundelementen ihres Konzepts gerüttelt wird, weil beispielsweise ein Treppenraum fehlt oder ein zweiter Rettungsweg über die Fenster nicht sichergestellt werden kann. Wenn in einer späten Phase plötzlich etwas ganz Essentielles infrage gestellt wird, kann das so einschlägig sein, dass das ganze Projekt gefährdet ist. Daher ist es wichtig, dass Architekten Grundkenntnisse darüber haben, welche Parameter einzuhalten sind. Die Erfahrung zeigt auch, dass die Architekten, die einen gewissen Kenntnisstand haben, viel fruchtbarer und ergebnisorientierter mit uns arbeiten können. Die Projekte sind viel zielführender und es entstehen sehr schöne Lösungen durch das gegenseitige Verständnis, was ich für sehr wichtig halte. Dieses Verständnis muss neben den reinen bauordnungsrechtlichen Vorgaben auch vermittelt werden. An der hhpberlinU steht eben nicht nur das reine Paragraphenwissen im Fokus, sondern wir fragen auch nach dem Warum. Warum ist Brandschutz an dieser Stelle und in dieser Form in der Bauordnung gefordert. Dieses Verstehen fördert auch das Verständnis für viele Dinge, beispielsweise in Bezug auf den zweiten Rettungsweg.

Karsten Foth: Die Ausbildung ist auch wichtig, um sich selbst klar zu machen, an welchen Stellen man als Architekt zuständig für den Brandschutz ist. Der Brandschutznachweis ist prinzipiell eine Grundleistung des Architekten. Das ist so in der HOAI verankert. Wenn ich also als Architekt das Gefühl habe, dass ich nicht in der Lage bin, einen einfachen Brandschutznachweis zu erstellen, dann ist es umso wichtiger, dass ich mich damit auseinandersetze, weil es eine zu erwartende Grundleistung ist. Bei den schwereren Bauvorhaben geht es primär darum, sich klar zu werden, wo die Schnittstellen sind, sprich wo kann mir der Brandschützer idealerweise helfen und auch eine Idee davon zu bekommen, wie Brandschützer ticken. Es geht um Schutzziele und nicht um nachweisbare Mathematik. Darum, zu verstehen, wie man auf dieser Schutzziel-Ebene argumentiert und welche Spielräume es gibt. Das ist aus meiner Sicht für den Planungsprozess absolut vorteilhaft und für den Kunden am Ende mit besseren Ergebnissen in der Planung verbunden.

Nancy Langnickel: Werden die Inhalte regelmäßig aktualisiert?

Karsten Foth: Die Ausbildung wird an mindestens zwei Punkten aktualisiert. Das ist zum einen der Fall, wenn sich eine Rechtsgrundlage ändert. Dann ist die Ausbildung natürlich auf die entsprechenden Rechtsgrundlagen anzupassen, so wie wir jetzt im Übergang stehen auf die MVV TB, also die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen, die deutschlandweit für einen veränderten Ansatz im Brandschutz und in der Gebäudesicherheit steht. Und natürlich passen wir unsere Inhalte an, wenn die Referenten während der Ausbildung entweder selber feststellen, dass etwas für sie nicht schlüssig oder auch zeitgemäß ist oder wenn die Teilnehmer uns entsprechendes Feedback geben, beispielsweise wenn ein Bereich zu kurz gekommen ist oder ein Thema zu sehr in die Tiefe ging. Auf ein solches Feedback reagieren wir.

Nancy Langnickel: Ich danke Ihnen für das Gespräch!

hhpberlinU - die Wissensplattform der hhpberlin

Nutzen Sie unseren Wissensvorsprung in Theorie und Praxis! An unserer hhpberlinU vermitteln wir unser Know-how in Form von Seminaren, Workshops und Präsentationen. Zu unseren Referenten gehören ausgewählte Mitarbeiter, die über langjährige Erfahrungen im Projektgeschäft verfügen. 
Herzstück unserer Angebote ist der Brandschutz, die Kernkompetenz von hhpberlin. Die Themen, die wir anbieten, gehen jedoch weit über die branchenüblichen hinaus. Wir widmen uns marktspezifischen und regionalen Besonderheiten und stellen sie in einen modularen Zusammenhang. Darüber hinaus bietet die hhpberlinU auch Seminare für den Einsatz digitaler Werkzeuge im Brand- und Katastrophenschutz und für hhpberlins agilen Unternehmensansatz.                                                                                                                
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